Dienstag, 18. März 2008
Australien
(von den Operationen in der plastischen Chirurgie ein andermal)
Sonntag, 16. März 2008
Sonntag, 2. März 2008
Eindrücke aus dem OP
Ich selbst kann das medizinische Niveau aber nach drei Wochen auch nicht beurteilen, und ich will es auch gar nicht, weil das unangemessen wäre. Ich kann nur sagen, dass ich beeindruckt bin, zu welchem Preis hier eine Chirurgie gemacht wird, die sich doch weniger von der deutschen unterscheidet, als man vielleicht erwarten würde - wenn man bedenkt, dass das Gesundheitssystem hier mindestens als im Umbruch befindlich zu bezeichnen ist. Auch da hab ich noch keinen richtigen Einblick gewonnen, ich hab nur gehört, dass eine OP auf der holzgetäfelten VIP-Station das 10-20fache des normalen Preises kostet... Wenn sich noch mal jemand in Deutschland über Zweiklassenmedizin beschwert - ausatmen - einatmen - ausatmen.
Ohmmmm!
OK.
Letzte Woche hab ich noch drei größere OPs gesehen: Erst die Anlage eines splenorenalen Shunts bei portaler Hypertension (49cm H2O, normal sind max. 20cm) mit Z.n. Ösophagusvarizenblutung, 5h Dauer, sehr spannend, die Milz war kindskopfgroß, bevor der art. Zufluss unterbunden wurde. Zwei Tage später gabs eine Hemihepatektomie links bei monströsem HCC - ca 17x24x12cm! Hepatitis B ist ein Riesenproblem hier, angebl. sind 10% der Bevölkerung infiziert. Wenigstens gibts jetzt in Shanghai für alle Kinder die Impfung, die in Taiwan im Verlauf von Jahren bereits zu einer deutlichen Senkung der HCC-Inzidenz geführt haben soll (Quelle ?). Für diesen Patienten kommt das leider zu spät, es hatte bereits eine Metastasierung stattgefunden, bei der Größe ist wohl jede HCC-OP palliativ. Es gingen dabei zwei Liter Blut verloren, die erst zögerlich ersetzt wurden, insgesamt gabs dann doch drei EKs (à 290ml), aber erst, als der Patient schon superhypoton war. Der Anästhesist war so cool, dass ich schon richtig Angst bekam... Aber es ging alles gut, mit 2xFFP und Gelatine und noch irgendeinem Gerinnungsfaktorenkonzentrat. Interessant ist das System der Blutspenden hier: Wer selbst gespendet hat oder wessen Angehörige bereits gespendet haben, bekommt die Transfusion für wenig Geld; wer das nicht hat, muss viel bezahlen...
Zuletzt hab ich dann noch die Entfernung eines Hämangioms gesehen, das keines war, sondern aus weicher, amorpher, ekliger Masse bestand. Der Chef war aber entspannt, weil es nicht bösartig aussah. Mal sehen. Schnellschnittdiagnostik scheint nicht verbreitet zu sein, obwohl es eine Pathologie im Haus gibt. Muss ich mal sehen, wie das hier läuft.
Sonst gibt es noch zu berichten, dass ich meine Verdauungsprobleme (nach mongolischem Feuertopf - die Bakterien scheinen mit dem "Scharf" besser klargekommen zu sein als ich) mit Gentamicin behandelt hab - ja echt! Ich war erst überrascht, als mir dieser Vorschlag von einem Assistenzarzt gemacht wurde. Aber er hat einfach eine Ampulle aufgezogen und sie mir überreicht mit dem Kommentar, dass es ja oral nicht resorbiert würde. Da hab ich Gedanken an Nephro- und Ototoxizität beiseite geschoben und die Spritze zum Munde geführt. Es schmeckt besser als andere Antibiotika! Mein Durchfall wurde zwar nicht besser, aber jetzt hab ich garantiert nur noch chinesische Bakterien in mir! Da sie zahlenmäßig meinen eigenen Zellen überlegen sind, bin ich damit schon ziemlich chinesisch geworden und hoffe auf weitere Fortschritte beim Spracherwerb.
Dienstag, 19. Februar 2008
Noch ein Foto

Das ist mein Krankenhaus. Weitere Bilder, vielleicht sogar eines Tages eins von Oberschwester Yang, werden folgen - bleib(t) dran!
PS: Heute wurde ich um 6:30 vom zuständigen Arzt geweckt, sonst war die Nacht ruhig, der freie Tag auch. Da es schönes Wetter war und erstmals nicht markdurchdringend kalt, sind wir an der Jangtse-Mündung spazieren gegangen,
wo man alte Männer mit ihren selbstgebauten Drachen beobachten konnte:
Montag, 18. Februar 2008
Der lange Marsch hat begonnen.
- Oberschwestern sind genauso wild und burschikos wie zu Hause, es ist nicht klar, ob der Chefarzt wirklich Macht ueber sie hat. Als Exot bin ich aber gefeit.
- Chirurgen sind hier auch ... Chirurgen; als solche immer zu anzueglichen Bemerkungen und Spekulationen ueber das andere Geschlecht oder ueber Autos aufgelegt, natuerlich in individuell sehr variablem Ausmass. Das strahlt auf die Pflege ab. Bsp: Chef [an zwei Krankenschwestern gewandt]: Das ist der Student aus Deutschland. Er ist 26... [Pause, mehrdeutiger Blick] - KS [laut zur Kollegin]: Zu jung!
- Anaesthesisten sind sehr gelassen, moeglicherweise aber noch gelassener als in D, das koennte mit irgendeiner fernoestlichen Philosophie zusammenhaengen.
- Die OP-Kontrolleuse ist ungeheuer maechtig und entscheidet darueber, ob der Student in den OP-Trakt gelassen wird (zumindest hatte ich das Gefuehl); sie ist ca 1,55 gross, sehr staemmig und hat grosse, stark geschminkte und leicht vorgewoelbte Augen, an denen niemand vorbeikommt.
- Die Laparoskopie-Geraetschaften kommen (u.a.) aus Tuttlingen, das auch hier bekannt ist, da die Firma einem Chefarzt einen laengeren Aufenthalt in den USA finanziert hat. Wenn das mal keine gute Investition war. Schwaben eben!
- Die Patienten und ihre Angehoerigen haben keine Hemmungen, sich beim Arzt zu beschweren und folgen diesem regelmaessig in sein Buero, wo sie oft laengere Zeit bleiben. Es muss allerdings angemerkt werden, dass diese Patienten oft fuer hiesige Verhaeltnisse hohe Summen fuer ihre Behandlung bezahlt und eine deutschen Privatpatienten nicht unaehnliche Anspruchshaltung zu haben scheinen.
- Chirurgie ist eine schrecklich zeitige Angelegenheit, was durch meine 75minuetige Anreise nicht gerade angenehmer wird. Es gibt mir aber die Gelegenheit, mich zwei Monate lang ein bisschen wie ein Einheimischer zu fuehlen und noch einmal die Nachteile des Grossstadtlebens kennenzulernen. Nach 26 Jahren Feld-Wald-Wiesen-Leben wurde es ja auch Zeit.
Nun der entscheidende Unterschied: Die Studenten sind traurig, weil sie nie Blut abnehmen duerfen - angeblich wuerden das weder Schwestern noch Patienten akzeptieren. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen fixiert auf diese eine Taetigkeit, die in meinen Augen die ganze Verfehltheit des deutschen PJs wiederspiegelt. Ach ja, und das Essen kostet 60 Cent und umfasst 5-6 Gerichte nach Wahl. Wer mich kennt, weiss, dass damit mein Hauptkriterium fuer ein erfolgreiches Tertial erfuellt ist. Nun ja, es ist zugegebenermassen unmoeglich, den Ausfuehrungen eines typischen, Shanghai-Dialekt murmelnden Patienten zu folgen - aber hey, das ist Chirurgie! Der gute Patient ist anaesthesiert! Und die erste Appendizitis, die ich von der Ambulanztuer bis zum postoperativen Gute-Nacht-Wuenschen begleiten durfte, inkl. Betasten des noch zuckenden Wurmfortsatzes (nur das Wandern des Schmerzes hab ich verpasst), sprach gluecklicherweise fliessend Englisch, genauso wie einige Professoren und Aerzte. Bei den anderen ist mein Gehoer fuer Tonhoehen bzw. meine Faehigkeit zur Pantomime gefordert. Da man mir aber durchweg sehr aufgeschlossen und freundlich begegnet, ist das alles kein Problem (als ein sehr netter Chefarzt andeutete, dass in Deutschland Auslaender ja allgemein weniger willkommen waeren, wurde mir wieder bewusst, dass wir international wirklich nicht in der 1.Liga der Gastfreundschaft spielen :( - und das hat nichts mit pro/contra Multikulti zu tun). Erstaunlicherweise ist der Glaube an deutsche Eigenschaften wie Fleiss und Puenktlichkeit immer noch vorhanden - aber die Deutschen ausserhalb Deutschlands, die sein Bild in der Welt praegen, waren ja schon immer deutscher als der Rest.
Und deswegen ist heute mein erster freiwilliger Nachtdienst, der allerdings nur aus einem Spaziergang durch Pudong mit naechtlicher Fahrt ueber den Huangpu (aller-retour fuer 10 Cent), Lektuere und Internet besteht. Wenn es etwas zu tun gaebe, muesste es sowieso der zustaendige Arzt erledigen. Dafuer hab ich morgen frei. Man hat mir hier sogar extra ein Klappbett im Buero aufgebaut, der Nachteil ist nur, dass es just an dem Platz steht, von dem aus Prof. Hu morgens um 7:30 seine Ansprache zu halten pflegt. Mal sehen, wer mich wecken wird.
Es bleibt also spannend!
Dienstag, 1. Januar 2008
Auges PJ-Erfahrungen, Teil II
Also. Die Schweiz an sich ist schon cool. Schokolade schmeckt besser als bei uns, die Landschaft ist schöner, die Kühe sind hübscher und der Käse ist unschlagbar. Die Wochenenden hier zu verbringen und Sachen zu unternehmen war echt gut! Die Schweizer an sich sind meistens nicht so freundlich. "Wenn Sie nicht wissen, was genau für Blätter ich um ihre Rosen machen soll, kann ich Ihnen auch nicht helfen." war die antwort, als ich die Blumenverkäuferin gefragt habe, ob sie nicht ein bisschen Grünzeug um die Blumen machen könne. Aber was genau das für Grünzeug aus dem Topf sein sollte, wusste ich nicht. Das ist ihr job und nicht meiner, zu wissen, welches Grünzeug sich am besten als Deko eignet. Naja. Die bei der post sind auch so drauf. Aber es gab auch nette Schweizer.
Der Chirurgie-Oberchef stellt immer wieder klar, wie familiär doch die Beziehung gerade zwischen Mitarbeitern in der Schweiz sei. Nicht wie in Deutschland, wo sich die Oberärzte siezen. hier undenkbar. Dass dann die Assistenzärzte während einer OP mit: „bist du ein Autist oder was?" angeschrieen werden (das Wort Autist wird dann während der gesamten op fünfminütig wiederholt) gehört anscheinend zum familiären Klima. Muss man sich das mit Mitte Dreißig noch antun, so angeschrieen zu werden? Anscheinend schon. Ein Oberarzt hat sich angewöhnt, sich mit den anscheinend so langsamen Unterassistenten (z. B. ich) ganz einfach und klar auszudrücken: HALTEN HALTEN HALTEN! (= halte doch bitte mal den Haken) oder RAUS RAUS RAUS! (= du kannst schon gehen) oder NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!( = variable Bedeutung).
Meine PJ-Zeit hier lässt sich in drei Phasen einteilen: Phase 1: sechs Wochen Stationsalltag und OP. Wir waren eindeutig zu viele. Es gab Tage, an denen saß ich 10h lang im Arztzimmer herum und starrte vor mir auf den Fußboden. Keine Aufnahme, zu wenig OPs, als dass alle hätten assistieren können. Nach hause gehen konnte ich nicht, da alle halbe Stunde doch mal ein Laborwert nachzuschauen war, oder ein Zettel von A nach B zu tragen war und ich daher in diesem Arztzimmer unersetzlich war. Lernen konnte ich auch nicht, da ständig die Türen klapperten oder die sich langweilenden Assistenzärzte bei youtube die neuesten Videos anschauten (aber wehe ein Uhu (= Unterassistent) macht das). Man ertrug also die schlechte Laune der Assistenzärzte, die sich ja nicht als Autisten sahen und ich litt unter dem Bore-out-Syndrom - darüber steht sogar was im Spiegel.
Gut. Dann kam Phase 2, meine zeit in der Notaufnahme. Die sollte nicht nur spannend werden, hier lerne man was und vor allem dürfe man nähen! so die Vorankündigung.
Also. Der Dienst war schon mal nur 7 h lang. Der Vormittagsdienst unterschied sich sehr von dem Nachmittagsdienst. Der Vormittagsdienst: hier waren 2 Ärztinnen, die ich noch nicht kannte. Beide ganz klein, dünn und zickig (sorry für alle kleinen und dünnen Leserinnen). Beide waren immer mega gestresst: "Oh Gott, die Notaufnahme ist voll und wir sind völlig überfordert" kam schon, wenn 2 Patienten da waren. Vormittags war fast nie was los. Der Freund der einen hat wohl gerade Schluss gemacht und sie war echt schlecht drauf deswegen. Die andere hat glaube ich immer schlechte Laune. Wenn also ein Patient kam, stürzten sich die beiden gleich auf ihn und ich durfte dann den Sonowagen anfahren und Briefe schreiben. Aufregend! Der Nachmittagsdienst wird von zwei schon älteren Assistenzärztinnen geleitet, die ein bisschen langsam, aber immerhin gut gelaunt sind. Meine beiden Highlights fanden auch am Abend statt. Ich war schon schlecht gelaunt (irgendwie ansteckend), weil ich in meiner letzten Woche immer noch nichts genäht hatte, da kam eine Frau aus der Psychiatrie, die sich mit einer Schere im Bastelkurs 30 10cm lange Schnittwunden an den Beinen zugefügt hatte. Die eine ältere meinte, jetzt komme ich zum Zuge, wir Frauen können das ja, das Nähen ist so eine Frauensache und wies mit dem Finger auf die Tür zum Arztzimmer, wo sie eine Postkarte mit der Aufschrift „Frauenpower" hingeklebt hatte. Ich habe mich tatsächlich gefreut und fast 2 h lang ganz ordentlich alle wunden wieder zu genäht. Das zweite Highlight war ein Typ, der gerade von seiner Ungarnreise wiederkam und eine "biberli" (=Pickel) an seinem besten Stück hatte. Ich habe dann die Blickdiagnose Syphilis gestellt und sie hat sogar gestimmt. Auf seine Sexualanamnese gehe ich hier nicht weiter ein.
In der Phase 3 war ich eine Woche auf Ortho- und 2 Wochen mit nur drei Leuten auf Station. die weitaus beste Phase von den dreien. Ortho hat Spaß gemacht. Auch wenn mich der Chef mit den Worten begrüßt hat: was, nur eine Woche? Da stören sie uns ja nur und ihnen bringt das auch nichts! Ich habe gemeint, mal was anderes zu sehen könne nie schaden. Er erwiderte, da könnte ich auch ins Berner Oberland fahren, das ist ja auch was anderes. In den letzten Stationswochen hatte der Oberchef urlaub, da war alles entspannter und es gab gut zu tun. Ich kippe bei OPs nicht mehr um, dass ist ganz gut, aber dafür fange ich jetzt immer an zu kotzen. Ich bin schon Primperan-abhängig, um die OPs durchzustehen. Ich denke, dass ist auf jeden Fall psychosomatisch. Zum glück beginnt der Würgereiz erst im OP und nicht schon, wenn ich den Patienten aufnehme. Bleibt also noch zu hoffen.
